Donnerstag, 4. November 2010

Stillstand

In Mitten von tausend Häusern,
gebaut auf tausend Straßen,
wandeln tausend Menschen,
seh ich tausend Farben.

Wild wirbeln sie um mich herum.
Schwindel ist die Reaktion,
Übelkeit das Resultat.
Ich bleibe stehen, mitten im Strom.

Der Schwindel schwindet,
ebenso die Übelkeit.
Farben und Konturen
werden klar, ergeben ein ganzes.

Ich sehe nun klar vor mir,
was euch verborgen bleibt.
Absurdität und Ironie,
werden mir deutlich bewusst.

Vielleicht kommt irgendwann
die Zeit, da alle stehen bleiben,
da Uhren es ihnen gleichtun
und alles an Bedeutung verliert.

Donnerstag, 16. September 2010

Spiegel der Gesellschaft

Die Narrenkappe setz' ich mir heut' auf.
Will zeigen, dass ich anders bin als ihr.
Werd' zur Belustigung euch gerne dienen,
weil ihr nicht merkt, dass ich ein Spiegel bin.

Die Blindenscherpe streif' ich mir heut' über,
da ich die Dinge anders seh' als ihr.
Ertrage gern die Blicke voller Mitleid,
weil ihr nicht merkt, dass ich ein Spiegel bin.

Die Zeichensprache werd' ich sprechen heut',
weil ich die falschen Worte nicht mehr hör' .
Ich nehm' in Kauf, dass ihr mich nicht versteht,
weil ihr nicht merkt, dass ich ein Spiegel bin.

Ein letztes Mal will ich mich für euch kleiden,
in Spiegel heut' , damit ihr endlich merkt,
dass ihr die Dummen, Blinden, Tauben seid
und Augen, Geist und Ohren endlich nutzt.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Der Wandel

© by Andrew Jones













Wandel durchzieht die harte Kruste dieser Welt,
Wie Venen läuft er durch ihren Mantel aus Stein.
Ein ständiges Pochen im Untergrund, das treibt.
Voran, voran in neue Zeiten, in neue Welten.

Der Mensch befiehlt, die Welt gehorcht.
Skrupel sind fehl am Platze,
Rücksicht ein Hindernis.
Die Welt, als Preis des Fortschritts.

Was bleibt ist der Wandel, der uns stets umgibt.
Was bleibt ist der Wandel, der in uns schläft.
Wir schlafen mit ihm, wollen nicht erwachen,
denn der Traum ist so süß - süßes Gift.

Doch wach zu sein ist eine Qual.
Das selbe Gift, nur ohne seine Süße.
Der selbe Traum, nur ohne Farbe,
ohne Wärme - kalt und trostlos.

Egal ob schlafend oder wach:
Wandel macht sich breit
in Welt und Geist.
Nichts, was ihn noch hält.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Die Angst

© by Andrew Jones
Ein seltsames Gefühl,
die Angst.
Sie lässt uns Abgründe
überwinden, übermenschliche
Kräfte entwickeln.

Ein anderes Mal,
schnürt sie uns die Kehle zu
und nimmt uns jedes Wort,
noch bevor es über die Lippen
kommt.

Und manches Mal,
da ist sie da, ganz ohne Grund.
Sie kommt und geht
und niemand weiß
warum.

Ein seltsames Gefühl,
die Angst.
Facettenreich und einnehmend,
und doch nicht mehr als ein Relikt
aus alten Zeiten.

Montag, 17. Mai 2010

Antrieb


© by Andrew Jones
Was treibt den Menschen an?
Was hält ihn am Leben?
Was macht ihn aus?

Es sind die Instinkte,
gegeben von der Natur,
sagt der Biologe.

Es ist das Streben
nach Ruhm und Reichtum,
sagen die Materialisten.

Es sind Gottes Wille
und seine Macht,
sagen die Priester.

Es sind allein
Freundschaft und Liebe,
sage ich.

Von Musen und Massen

© by Andrew Jones
Oh Aoide, du einstig schöne!
Was nur ist aus dir geworden?
Wohin sind all dein Glanz
und deine Schönheit?

Eine Verführerin warst du
und bist´s auch heute noch.
Doch wo du einst dem Schöngeist
leise säuselnd schmeicheltest,
ihm zusprachst und ihm Flügel gabst,
als schönste unter den Schönen,
da bist du heute
nicht mehr so wählerisch.

Eine schmuddelige Dirne bist du nun!
Kaum einer, dem du dich verwehrst.
Die Massen ziehst du nun in deinen Bann.
Ohne Scham und Würde
zeigst du offen deine Reize,
oder das,
was davon noch übrig ist.

Willenlos ergeben sind sie dir,
zugleich auch Sklaven ihrer selbst,
und steuern blind wie Lämmer
ihrem geistigen Verfall entgegen.

Anmerkung: Aoide ist die griechische Muse der Musik

Spirale des Lebens

© by Andrew Jones
Das
Leben
bietet mehr
als Kummer und Leid
man muss sich ihm nur öffnen und
alles Störende
hinter sich
lassen.

Dann
werden
Raum und Zeit
unbedeutend und
nichts ist mehr wichtig, alles wird
ein Wechselspiel von
Geburt und
Verfall.



Anmerkung:  Die Anzahl der Silben in den einzelnen Zeilen ergeben eine auf und wieder absteigende "Fibonacci-Folge", bei der die nächste Zahl immer die Summe aus den zwei vorherigen ist (also: 0,1,1,2,3,5,8,13, uws.), wobei ich aus ästhetischen Gründen auf die ersten beiden Ziffern verzichtet habe. Diese Zahlenfolge wird auch als Goldener Schnitt bezeichnet und kommt überall in der Natur vor, vor allem in Form der Fibonacci-Spirale oder auch Goldenen Spirale, deren Proportionen auf dieser Zahlenfolge aufbauen und die zum Titel des Gedichts beigetragen hat.

Sonntag, 16. Mai 2010

Spaziergang im Wald
















Schlafend still liegt er vor mir,
Der Wald - voller Leben, voller Kraft.
Moos dämpft jeden meiner Schritte,
Laub verwischt alle meine Spuren.

Eine alte Schwere liegt in der Luft,
Erinnerungen von tausend Jahren.
Kraft pulsiert in jedem Grashalm,
Geht in mich über, stärkt mich.

Obgleich ich fremd bin hier,
An diesem Ort der Ruhe,
Bleibt alles wie es war -
Das Gleichgewicht besteht.

In einer Lichtung, umgeben
Von Bäumen, bette ich mich
In Moos und schwinde fort -
Werde eins mit dem Wald.

Kampf der Illusion

In einer Zeit, in der
Worte mehr wert sind
als Taten,
ist taub sein ein Segen.

In einer Zeit, in der
Bilder mehr beeinflussen,
als Argumente,
ist blind sein ein Segen.

Doch in einer Zeit, in der
der Wille einzelner mehr Wert ist,
als der aller,
ist stumm sein eine Sünde.

Der neue Gott


© by Andrew Jones
Genießer der Trauer!
Verehrer des Leids!
Süchtige des Grauens!
Ich zeige euch den neuen Gott!

Eingesperrt in einen Kasten
aus Drähten und Platinen,
damit er uns nichts tun kann.
Unmenschlich und kalt,
betrieben mit Leben.

Vorbei die Zeiten
von Hänsel und Gretel.
Schneewittchen warf sie in den Ofen.
Lippen so rot wie Blut.
Denn Blut ist, was wir sehen wollen.

Und bloß kein Prinz,
der stolpernd sie befreit.
Und wenn er stolpert,
dann in einen Graben.
Das gefällt.

Denn unser neuer Gott
spuckt mehr aus,
wenn man ihm mit Leid,
mit Blut und Mord huldigt.

Schrecken ist sein Altar,
Tote seine Reliquien.
Er gibt sein Blut um es zu trinken,
doch es ist kein Wein.
Er gibt sein Fleisch um es zu essen,
doch es ist kein Brot.
Durstig und hungrig lecken wir
uns die Lippen,
nicht wissend, dass wir
an uns selber nagen.

Verzweiflung

In folgenschwerer Schicksalsnacht
bei trübem Licht und wenig Luft,
Verzweiflung klopfte an die Tür.

Ohne Gruß und sonst´ges Wort
trat sie ein - uneingeladen.
Mit leerem Blick und totenstill
grinste unverhohlen sie mich an.

Ich schrie sie an, doch ohne Ton.
Ich schlug nach ihr mit Fäusten,
die sie nie erreichten.
Und weiter grinste sie.

Fast wollte ich ihr nachgeben,
da fiel mir ein, was einst ich lernte:
Wenn die Verzweiflung steht vor dir
und grinst, so grinse dreist zurück.
Und wenn sie näher kommt
umarme sie und sag:
Vorbei!

Wach sein

Wir sind die letzten wachen
Geister unserer Zeit.
Die Gestörten.
Die Verkrochenen.
Die nicht konformen.

Wir stehen abseits jeder Gruppe
als teilnahmslose
Zuschauer.

Ausgegrenzt und verachtet
Weil wir sehen!
Weil wir denken!
Weil wir
wissen.

Sie sperren uns ein
hinter Gitter
oder in Kittel,
in Heime
oder Zimmer.

Sie reden uns ein
wir seien krank.
Sie geben uns Pillen
und waschen uns
von Kopf bis Hirn.

Doch bald da kommt die Zeit
da sie sehen
wer wirklich verrückt,
wer wirklich gestört ist.
Erkennen Lüge
und Wahrheit
und welcher welches spricht.