Sonntag, 23. Februar 2014

Bekenntnis eines Plappermauls

Warum ich immer so viel rede?
Nun, ich liebe den Klang meiner eigenen Stimme,
aber hasse den Klang meiner inneren.
Glücklicherweise können sie nicht gleichzeitig sprechen.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Vision im Feuer

















Nachts am Feuer sitze ich.
Ich träume und lausche,
was Funken knisternd kreisend
mir erzählen – fast schon singen.

Geschichten aus weit mehr
als tausend und einer Nacht, 
Äonen der Erdgeschichte
strömen wärmend auf mich ein.

In den Flammen sehe ich
ganze Völker auf- und niedergehen.
Sehe mächtige Könige regieren
und einfache Bauern sie stürzen.

Heere treffen aufeinander; hinterlassen
nichts als verbrannte Erde,
aus der dennoch immer wieder
ganze Wälder auferstehen.

Der Mensch verschwindet von der Erdfläche
doch die Erde dreht sich weiter.

Mit all diesen Bildern im Kopf bette ich mich
lächelnd in die Erde, aus der ich kam,
in die ich irgendwann zurückkehre,
wissend, dass sie überdauert.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Mensch 2.0

Außer mir und den paar anderen Urgesteinen weiß heute keine mehr wie sie anfing, die menschliche Revolution. „Zurückgebliebene“ nennen sie uns, „Auslaufmodelle“, wenn sie glauben, dass wir nicht hinhören. 

Ich erinnere mich noch gut daran, auch ohne irgendwelche Implantate in meinem Kopf: Als sie den ersten Quantencomputer fertigstellten, ging plötzlich alles so schnell. Innerhalb von wenigen Tagen wurde die komplette Welt der Informationstechnologie auf den Kopf gestellt. Rechenleistung stand plötzlich in nahezu unbegrenztem Maße zur Verfügung. Die Fachpresse jubelte schon, dass nun ein neues digitales Zeitalter angebrochen sei – bis das organisierte Verbrechen  nur wenige Tage später den Nutzen des Quantencomputers für sich erkannte. 
Durch die enorme Rechenleistung war plötzlich keine Verschlüsselung mehr sicher, weil sie nun binnen von Sekunden geknackt werden konnten.
Die Regierung musste schnell eingreifen: Sie machte kurzerhand alle Besitzer eines Quantencomputers ausfindig, beschlagnahmte die Rechner und  erklärte die Baupläne zu Staatseigentum sowie die Nutzung von Quantencomputern zum staatlichen Monopol. Danach wurden alle Forscher, die zuvor mit der Entwicklung des Rechners beschäftigt waren, von der Regierung unter Vertrag genommen, um sein volles Potential zu erforschen und es zum Wohl des Volkes einzusetzen.
Anfangs verliefen die Forschungen sehr kontrolliert und die Rechenleistung wurde nur für die Lösung mathematischer Probleme genutzt. Die Erkenntnisse hieraus waren zwar enorm, aber nicht bahnbrechend. Dann hatte jedoch der Informatiker Allen White, dessen Fachgebiet künstliche Intelligenz war, die Idee, einen vielversprechenden Prototypen für eine künstliche Intelligenz mit dem Quantencomputer zu betreiben. Der Prototyp war in seinem Forschungsgebiet schon lange Zeit bekannt gewesen, jedoch nie zum Einsatz gekommen, da die immens hohe Rechenleistung, die für seinen Betrieb nötig war, bis dahin einfach nicht zur Verfügung stand. Er war stark genug, um Probleme nicht nur genauso gut, sondern schneller und besser als ein Mensch zu lösen. Die Kombination aus Quantencomputer und KI konnte nun als Forschungsmaschine genutzt werden, die Technik selbst erfinden konnte.
Von da an war der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten: Alle Probleme, über denen sich die Menschheit die letzten Jahrzehnte den Kopf zerbrochen hatte, ließen sich schneller lösen, als jemand hätte „Heureka!“ sagen können. Die Liste der neuen bahnbrechenden Erfindungen wuchs jeden Tag exponentiell an und uns über den Kopf. 

Nach nur einem Jahr war dann plötzlich der Punkt der Stagnation erreicht. Alle wichtigen Fragen die sich die Menschheit bis dahin gestellt hatte, waren beantwortet und ein Wachstum aus technologischer Sicht bis auf weiteres nicht mehr möglich. Die Ergebnisse, die die Maschinen ausspuckten waren für uns einfach nicht mehr verständlich. Die künstliche Intelligenz hatte unsere eigene überholt. Wir kamen mit unserem menschlichen Verstand nicht mehr hinterher. 

Das war der Tag, an dem ein unbedachter Wissenschaftler den Computer mit einer ebenso unbedachten Frage fütterte: „Was sollen wir tun?“
„DER MENSCH BENÖTIGT EIN UPDATE.“ war das Ergebnis – zusammen mit einer Vielzahl von Plänen zur Verbesserung des menschlichen Leistungsvermögens in jeglicher Hinsicht. Die Pläne reichten von kybernetischen Implantaten zur Verbesserung von Geschwindigkeit, Kraft und Ausdauer, bis hin zu Hirnimplantaten für eine höhere „Rechenleistung“ oder mehr „Speicher“.
Beflügelt von der enormen Gier nach immer mehr und mehr Fortschritt, die durch die immense Entwicklung des vergangenen Jahres entstanden war, dachte niemand auch nur eine Sekunde über die Risiken und die Notwendigkeit solcher Eingriffe nach. Der Mensch bekam sein Update und erhielt die Versionsnummer 2.0. 

Doch anstatt die Gleichheit unter den Menschen zu fördern, indem körperliche oder geistige Nachteile einfach durch Implantate ausgeglichen wurden, verstärkte diese neue menschliche Revolution vielmehr die Ungleichheit in einem Maße, wie sie zuvor noch nie existiert hatte.
Die Implantate waren für die meisten Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen schlichtweg zu teuer, sodass sich sehr schnell zwei völlig neue Klassen in der Gesellschaft auftaten: Menschen mit und ohne Update.
Da die Menschen ohne ein Update keine Arbeit mehr finden, weil sie nicht „produktiv“ genug sind, landen sie sehr schnell auf der Straße. Sie werden letztendlich einfach aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Genaugenommen betrachtet man sie nicht einmal mehr als Menschen, obwohl sie eigentlich die menschlicheren sind. Dort rotten sie sich in Lagern von Ausgestoßenen zusammen, wo die Nahrung langsam immer knapper wird, da Menschen mit Update in der Regel ohne den Verzehr von herkömmlichen Lebensmitteln auskommen.

Der tägliche Kampf für uns Menschen ohne Update wird daher jeden Tag immer härter. Aber es ist unsere Pflicht zu überleben, egal wie schwer es ist! Nicht um dieses elende Dasein noch weiter zu verlängern oder uns gar gegen die Nicht-Menschen zu erheben, sondern damit die Menschheit mit uns nicht ausstirbt.