Samstag, 4. Februar 2012

Der Sandsturm


Sahara. Weite Wüste. Ein Sandsturm formt Dünen. Er ist mein Begleiter, mein Freund, mein zweites Ich. Seit ich das erste Mal über die große Mauer blickte, ist er da. Mit ihm an meiner Seite suche ich nach Wasser, meinen anhaltenden Durst zu stillen. Sand sickert unter meinen Füßen fort, wie jeder klare Gedanke, den ich zu fassen versuche.
Gelegentlich führt mich das Trugbild einer Oase in die Irre, doch der Sturm vertreibt es immer wieder. Beschützt er mich oder hält er mich ab? Noch bevor die Antwort Gestalt annimmt, weht sie fort. Warmer Wind umspielt meine Wangen und lässt mich weitergehen.
Tage vergehen in Sekunden und verlieren an Bedeutung. Doch der Durst bleibt, wird größer. Jeder Augenblick brennt, wie die Sonne auf meinem Haupt und der Schweiß in meinen Augen. Mit jedem Schritt steigt die Anstrengung, die es kostet weiterzugehen. Doch der Rückenwind treibt mich voran.
Nach einer Ewigkeit treffe ich auf den ersten Menschen. Ein alter Mann steht vor mir, wie aus dem Boden gewachsen und starrt mich an. Sein Blick durchleuchtet mich, wirkt kurz darauf verständnisvoll. Er spricht zu mir und ich bin mir sicher, seine Worte würden weise klingen, könnte ich sie nur hören - der Sturm tobt zu laut. Niedergeschlagen, zieht er des Weges.
Viele Tage später treffe ich auf eine Karawane. Ihr Führer steigt von seinem Kamel und kommt auf mich zu. Auch er spricht mich an und diesmal kann ich ihn hören, aber ich beherrsche seine Sprache nicht, schüttele mit dem Kopf. Er hält mir eine Flasche Wasser hin, die ich dankend anzunehmen versuche. Der Sturm schwillt an und reißt sie aus meinen Händen. Ich bin zu müde um zu protestieren und die Karawane ergreift ängstlich die Flucht.
Entmutigt sinke ich zu Boden und beginne, Sandkörner zu zählen. Es hält mich wach, doch auch am Leben? Ein Skorpion zieht, wie als Antwort, an mir vorbei. Ich würde ihm folgen, wenn ich noch könnte. So bette ich mich in den Sand, mein scheinbares Schicksal akzeptierend.
Ich werde von einem herannahenden Sandsturm geweckt. Es ist nicht der meine und wirkt bedrohlich. Unfähig mich zu bewegen, starre ich entsetzt auf die drohende Gefahr. Wird sie mich fortreißen? Mich ewig in den Lüften gefangen halten?
Kurz bevor der Sturm mich erreicht, bleibt er stehen. In ihm steht eine menschliche Gestalt. Ich sehe sie und sie sieht mich. Der Sturm löst sich auf, so auch der meine. Endlich befreit, stehen wir beide dort – glücklich einen wahren Freund gefunden zu haben.

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